| Dissertationsvorhaben Zur Frage bronzezeitlicher Waffendeponierungen in den neuen Bundesländern und Polen |
| (Arbeitstitel) an der Universität Heidelberg von Agné Çivilyté unter der Leitung von Prof. Dr. J. Maran Die Arbeit wurde im Herbst 2003 abgeschlossen ! |
Die Frage der bronzezeitlichen Deponierung ist in der ur - und frühgeschichtlichen Forschungen der letzten Jahren sehr aktuell geworden. Versuche, die Grundzüge der phänomenalen Erscheinung der Bronzeniederlegung zu bestimmen, beziehen sich auf` verschiedene Kriterien, wie- Ort - und Stelle der Funde, ihre Fundsituationen, Erhaltung, Gewicht, Zusammentreten in geschlossenen Fundkomplexen, Typenanalyse, Verbreitung etc. Als eine Reihe von neuen Studien sind hier vor allem die Arbeiten von S. Hansen, T. Soroceanu, C. Sommerfeld zu nennen. Sie haben die Idee der “intentionellen Bronzedeponierung” entwickelt. Daß die bronzenen Artefakte, seien es Gräber, Horte oder Einzelfunde für Indizien verschiedener Ritualpraktiken, also für Opfer gehalten werden dürfen, ist zum heutigen Tag kaum zu bezweifeln. Dies hat sich besonders in der internationalen Berliner - Tagung vom März 1997 "Mensch und Umwelt in der Bronzezeit Europas" in weiträumigem Sinn bestätigt. Das Thema ist jedoch bei weitem nicht ausgeschöpft. Immer noch gibt es ein freies Feld für verschiedene Interpretationsmöglichkeiten. Wie eine Reihe von Untersuchungen gezeigt hat, sind die Analysen von einzelnen Bronzetypen (z. B. die hier später zu besprechenden Völlgriffschwerter) von Bedeutung, denn die exakten Untersuchungen eines Bronzetyps erweitern wesentlich das Aussagespektrum des bronzezeitlichen Materials. So führt eine ununterbrochene Kette von Forschungsaspekten der Vollgriffschwertern (sie werden wiederum später erklärt) zu der Annahme, daß sie nicht nur Relikte der Opferung sind, sondern keinen praktischen Nutzen unterworfen waren. Daraus folgt ein Problem, die funktionsmäßige Kampfaktivierung der bronzenen Bewaffnung: Die zukünftige Dissertation ist die ununterbrochene Fortsetzung meine Abschlußarbeit "Jungbronzezeitliche Vollgriffschwerter (Periode V) in den neue Bundesländern und Polen". Das Thema dieser Arbeit wurde sowohl räumlich als auch chronologisch durch folgende Kriterien bestimmt: 1. Die Periode V ist eine der problematischsten Zeitabschnitten der Bronzezeit, die verschiedene neue Erscheinungen und damit trennungslos verbundene ideologisch Veränderungen in sich trägt (zunehmende Anzahl von Depots und ein weites Spektrum an unterschiedlich zusammengestellten Inhaltsmustern. Eine starke Individualisierung zeigt sich in einer erweiterten Kombinationsvielfalt und dadurch auch einen starken Einfluß der Rangunterschiede, sowie soziale Stellungen). Die bisherigen Forschungen bieten ein reiches Material an Schwertern, die auf eine typenhaft weite Ausbreitung hindeuet, aber bestimmte Konzentrationsbereiche in der Kartierung aufweist. Allerdings bezieht sich die Untersuchung der Schwerte deutlich auf die südlichen-, westlichen- und östlichen Regionen Europas (hier ist auf die Arbeit von H. Müller - Karpe und eine Reihe von Pbf – Bänden hinzuweisen), während das Gebiet nördlich der Mittelgebirge weniger in Betracht gezogen wird. Der Untersuchungsraum der erwähnten Arbeit beschränkte sich nur auf einen Teil der nordmitteleuropäischen Ebene und schließt mit politischen Grenzen der neuen Bundesländer und Polen ab. Die Zusammenstellung und Analyse des von hier stammenden Fundkomplexes entsprach den Bedingungen einer Magisterarbeit. Der Schwerpunkt der vorgeführten Untersuchungen liegt an der Betrachtung der Vollgriffschwerter als “Bestandteil eines Deponierungsphänomens”, während die typologische und chronologische Eingliederung hier nur in Einzelfällen diskutiert wird (dies ist grunsätzlich in Arbeiten von E. Sprockhoff, H. Müller - Karpe, J. Fogc und I. v. Quillfeldt gemacht worden). Das Thema gehört zu der neuen Forschungsrichtung der vorgeschichtlichen Metallzeit mit besondere Berücksichtigung der rituellen Gründe der Metalldeponierungen. Die Annahm Metallarfefakte bzw. Schwerter seien in verschiedener, von strengen Prinzipien abgestimmte Art und Weise behandelt worden, was nach Meinung der Autorin nichts anderes als eine absichtlich rituelle Tätigkeit ist, wird zur Zeit aktualisiert. Derartige Untersuchungen beschränken sich allgemein auf die Depots (Studien von H. J. Hund W.A. v. Brenn,), ohne ihre separaten Bestandteile. Es fehlen ebenso Analysen der nicht zu den geschlossenen Funden gehörenden Exemplare. So sind auch die Schwert Die Ergebnisse meiner Magisterarbeit bestätigten ihre außerordentliche Position im gesamten Ensemble der deponierten Metallobjekte. Die Einreihung aller bisher bekannten Exemplare nach morphologischen Eigenschaften (Zustand) und die Erstellung von Kombinationstabellen der mit Schwertern vergesellschafteten aus Depots - oder seltener aus Gräber stammender Komponenten, lassen gewisse Konsequenzen ziehen, die eine präzise Position des Schwertes den anderen Objekten gegenüber unterstreichen (z. B. vollständige Schwert mit ausschließlich zerbrochenen Gegenständen, oder die überwiegende Anzahl an Schwertern in einem Depot). Nicht ohne Bedeutung ist die sichtbare Konzentration sogenannter "reiner Schwertdepots”, die sich hauptsächlich an der Ostsee bzw. Küste häufen. Durch die Analyse der dazugehörigen Stücke hat sich ergeben, daß auch für bestimmte Schwerttypen entsprechende Behandlungsarten bevorzugt wurden, z. B. vollständige Mörigenschwerter, Schwerter mit beschädigtem Antennengriff, Auvernierschwerter mit unvollständiger Klinge etc.. Es ist denkbar, daß solche Vorgehensweise aus praktischen Gründen z. B. durch einen Kampf verursacht wurde (dazu auch häufige Abnutzungspuren auf der Klinge oder am Griff), jedoch sind auch häufige intentionelle Beschädigungen, wie z. B. eine gleichmäßige Zerstückellung der Schwertklinge, zu beobachten. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß einige Exemplare durch eine Reparaturen verbessert wurden, die jedoch für eine praktische Nutzung nicht brauchbar waren. Dies ist noch ein Beitrag zu der Annahme, daß die Schwerter (auch wie andere Gegenstände) absichtlich und systematisch in die Erde gelegt wurden. Die Frage besteht nun, ob sie eine funktionelle Waffenbedeutung haben, oder nur Indiz einer privilegierten Gesellschaftsschicht waren, die dafür hergestellt wurden, um sie zu tragen und in dementsprechender Weise zu opfern (hier sind auch häufig senkrecht in Moorböden steckende Einzelfunde von Bedeutung). Wie die Untersuchungen gezeigt haben, ist die praktische Verwendung der überlieferten Vollgriffschwerter im K Schwerter sind nur ein Teil der gesamten bronzezeitlichen Bewaffnung. Wie man an der Zusammenstellung der Schwertdepots erkennen kann, sind Schwerter oft mit Lanzen vergesellschaftet, wobei diese auch gewissen Regeln in der Deponierung unterworfen sind. Erwähnenswert ist die Tatsache, daß Depots, die ausschließlich Schwerter und Lanzen beinhalten, sich in einem beschränkten topographischen Raum konzentrieren. Dies läßt an einen bestimmten Ausdruck einer festen Norm zur Waffendeponierung denken. Dort sind die Schwerter ausschließlich mit zerbrochenen Lanzen vergesellschaftet. Über einen zufällige Bruch der Lanzenspitzen kann keine Rede sein (alle sind in zwei Teile zerbrochen, ebenso wie die zuvor beschriebenen Schwerter absichtlich zerstückelt). In den Depots komplexen Inhalts sind die Lanzenspitzen, mit wenigen Ausnahmen, vollständig erhalten. Derartige Unterschiede in der Deponierung zeigen, daß die Bedeutung der Waffen in der damalige Gesellschaft nicht gleich gewesen. So spricht man in der Forschung gemeinhin über soziale Gruppen wie Häuptlinge, Krieger und Bronzegießer, die sich je nach der Luxurösität und Auswahl der Gegenstände auf diese Weise rekonstruieren lassen. Das Material der Periode V ist für eine drartige Aussage, im Rahmen einer Dissertation nicht ausreichend genug, um entsprechende Konzequenzen zu ziehen, weshalb auch andere Abschnitte der Bronzezeit mit entsprechenden Waffenarten wie Dolche und Stabdolche sowie Beile untersucht werden sollen. Besonders die letztgenannten beiden Artefakte stehen in der Diskussion über ihre funktionelle Verwendung. Stabdolche sind einerseits als richtige Waffen, anderseits als Statussymbole anzunehmen. Beile könnten vor allem als Arbeitsgeräte und Waffen fungieren. In diesem Fall ist der Zusammenhang zwischen Form und intendierter technologischer Eigenschaft sowie zwischen dem Material und der Funktion der Artefakte von Bedeutung. Denkt man an die Möglichkeit, daß nicht alle Waffen direkt im Kampf verwendet wurden, wie es am Beispiel mit den Vollgriffsehwertern klar wurde, müssen vor allem Objekte mit auffälliger Form, wie z. B. die erwähnten Stabdolche, in den Vordergrund gestellt werden. Tatsächlich ist es, von ihrer Beschaffenheit und Stabilität aus gesehen, unmöglich sie in einen Kampf zu benutzen. Folglich kann man hier wohl von derselbe Situation sprechen wie bei den Vollgriffschwertern. Das soll heißen, daß die Funktion eines Artefaktes von seiner Form unbedingt abhängig ist. Wenden wir uns den Beilen zu, bei denen es eine Reihe von Beispielen gibt, die diese Annahme bestätigen: Es kommen bis zu sieben Kilogramm schwere "Kuhäxte", Miniatiur- und Großformen vor. So stellt sich die Frage, ob dies auch bei Lanzenspitzen oder anderen Bronzewaffen bzu beobachten ist. Ihre Formenvariabilität scheint wesentlich spärlicher zu sein, als die der vorherbesprochenen Objekte. So stellt sich die Frage, wie häufig diese Waffen im Verhältnis zu den anderen Waffen vorkommen und in welchem Fundzusammenhang diese liegen. Darf man an die bestimmten Bevorzugungen im gesammten Komplex der Bewaffnung denken? Wenn ja, könnten es die Wiederspiegelung sozialer Rangunterschiede sein? Möglicherweise gehörte die bronzene Bewaffnung einem Kreis von ausgewählten Personen, in dem unterschiedliche Ansichten bezüglich der Waffen und ihrer Verwendung existierten. In diesem Zusammenhang ist eine Frage der “nicht bronzenen Bewaffnung” zu stellen, die vielleicht neben bzw. parallel zu den bronzenen Formen verwendet wurden. Eine derart komplexe Frage wurde bisher nicht gestellt und es ist nicht klar, ob diese im Rahmen der Arbeit hinreichend geklärt werden kann. Besonders für die Frühbronzezeit spielt der Zusammenstellung von Waffen aller Materialgattungen eine große Rolle: In dieser Zeitperiode ist der Bruch zwischen den Formen, neuen und alten verschiedener Materialien (Silex und Bronze) sowie ihrer Verwendung sichtbar. Das Metall muss nicht unbedingt als “praktisches Novum” , d.h. zur Erleichterung und/oder Verbesserung der Arbeit und er Kampfbedingungen gelten. Halten wir fest, daß Bronze als Ausgangsprodukt dafür geeignet ist, verschiedene Formen zu schaffen, können derartige Artefakte bzw. ihre Formen aufgrund der individuellen Vorstellungskriterien als Indiz der sozialen Verhältnisse in der Gesellschaft gehalten werden. Ziel der vorgesehenen Doktorarbeit ist eine chronologische Zusammenstellung aller bronzezeitlichen Waffen und ihre Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung der hier gestellten Forschungskriterien. Zusammenfassend möchte ich die wichtigsten Forschungsschwerpunkte erläutern: 1. Chronologische und typologische (Dolche, Stabdolche, Lanzenspitzen, Beile Schwerter) Zusammenstellung der brozeitlichen Waffenfunde nördlich de Mittelgebirge (Katalog). 2. Chronologische und typologische Verbreitungskarten der bronzezeitlichen Bewaffnung - Frage nach der Häufigkeit und Konzentrationszentren von bestimmten Waffentypen. 3. Quantitative Auswertung von einzelnen Waffentypen nach den Fundarten (Gräber Horte, Einzelfunde) und ihre Kartierung - Frage nach der Häufigkeit bestimmter Waffen in entsprechenden Fundarten in jedem Abschnitt der Bronzezeit. 4. Untersuchung der Deponierungseigenschaften von bronzezeitlicher Bewaffnung: a) Topographische Fundumstände (trockenes oder feuchtes Milieu, Wasser - und Moordeponierungen etc.). b) Fundsituationen in situ (Ausrichtung der Waffen - alle in einer Richtung, Kreis oder Kreuzorientierung, ihre Lage -senkrecht/waagerecht, etc), ihre Kartierung. 5. Morphologische Untersuchung der bronzezeitlichen Waffenfunde - Frage nach ihren Zuständen (vollständig, zerbrochen, wie zerbrochen). Kartierung der Waffenfunde nach ihren Zuständen in jeder Phase Bronzezeit. 6. Technologische Untersuchungen der bronzezeitlichen Waffenfunde- Frage nach ihren Funktionsfähigkeiten (Herstellungstechniken und die Qualität der Waffen). 7. Chronologischer Überblick der Waffen anderer Materialien - Frage nach dem Zusammenhang zwischen dem Material und ihrer Funktion. Zusammenfassung - Frage nach der Entwicklung der bronzezeitlichen Bewaffnun aus sozialer Sicht. Erläuterung des Problems der profanen Verwendung von Bronze am Beispiel der bronzezeitlichen Bewaffnung. © Autorin:
Dr. phil. des. Agné Çivilyté Email: agnecivilyte@takas.lt
1. Problemstellung
Die Waffen stellen einen unbestrittenen Luxuskomplex im umfangreichen Ensemble der Bronzegegenstände dar. Ihr Zusammenstellen und ausführliche Analyse kann Hinweise auf die Beantwortung der Frage zur Funktion der Bronze in der damaligen Gesellschaft geben.
2. Vorarbeiten:
3. Zielsetzungen für die Doktorarbeit
4. Methodik
A)
B)
Letzte Aktualisierung: 27.05.2004 durch: http//www.stephaniehoffmann.de